Die (un)sichtbare Belegschaft Teil 2

KI-Agenten und Algorithmen übernehmen in Unternehmen bereits eigenständig Aufgaben und steuern Teile alltäglicher Geschäftsprozesse. Sie fassen Interaktionen zusammen, werten Daten aus, erstellen Dokumente und wirken an Empfehlungen mit. Die (un)sichtbare Belegschaft arbeitet im Hintergrund und prägt zunehmend auch Personalentscheidungen.

Basierend auf unserem letzten Blog-Beitrag stellt sich die Frage, wie Unternehmen diesen Einfluss angemessen steuern können. Schließlich soll KI bessere Personalentscheidungen unterstützen, ohne Transparenz, Verantwortlichkeit oder menschliches Urteilsvermögen zu beeinträchtigen.

Personalentscheidungen erfordern besondere Kontrolle

Die IT-Abteilung weiß möglicherweise, welche KI-Tools freigegeben sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass Unternehmen deren tatsächlichen Einsatz überblicken. Oft bleibt unklar, in welchen Arbeitsabläufen sie genutzt werden und wo sie Personalentscheidungen prägen. Governance umfasst deshalb mehr als das reine Wissen, welche Technologien verfügbar sind. Unternehmen müssen deren Verwendung und Wirkung verstehen und für eine angemessene Kontrolle sorgen.

Fehlt der Überblick über den KI-Einsatz, können schnell Risiken entstehen. Eine Führungskraft könnte etwa anhand von Besprechungsnotizen, Gesprächsprotokollen und einem Portal für 360-Grad-Feedback eine Leistungsbeurteilung erstellen lassen. Anschließend könnte sie den KI-Entwurf ungeprüft in ein formelles Beurteilungsgespräch übernehmen. Dabei bliebe offen, ob er korrekt, ausgewogen und vollständig ist. Wirkt sich die Darstellung auf Gespräch, Leistungsbewertung oder Entwicklungsplan aus, beeinflusst KI hier klar eine Karriereentscheidung. Sie unterstützt diese dann nicht mehr nur.

Personalprozesse unterscheiden sich grundlegend von vielen anderen Geschäftsprozessen. Entscheidungen über Einstellung, Leistung, berufliche Entwicklung und Mitarbeiterförderung haben unmittelbare Folgen für einzelne Personen. Unternehmen müssen deshalb auf konsistente, nachvollziehbare, richtlinienkonforme und grundsätzlich ethische Entscheidungen vertrauen können.

Die Lösung besteht nicht darin, KI aus diesen Prozessen zu entfernen. Indem sie manuelle Arbeitslasten reduziert und Personalabteilungen schneller Erkenntnisse bereitstellt, schafft KI Freiräume für höherwertige Aufgaben und eine größere strategische Wirkung. Entscheidend ist, ihre Rolle transparent zu gestalten und angemessen zu steuern.

Die unsichtbare Belegschaft sichtbar machen

Zunächst müssen Unternehmen ermitteln, welche unsichtbare Arbeit bereits stattfindet. Die Erfassung der eingesetzten Tools bildet dabei nur einen Teil der erforderlichen Bestandsaufnahme. Personal-, IT- und Rechtsabteilungen müssen festlegen, wer Zugriff auf die Anwendungen erhält und welche Personalprozesse KI unterstützen darf. Außerdem ist zu klären, aus welchen Daten die Systeme lernen dürfen, welche Daten ausgeschlossen bleiben und wie sich ein substanzieller menschlicher Beitrag gewährleisten lässt. So gewinnen sie mehr Klarheit, Konsistenz und Kontrolle über Personalentscheidungen.

Gartner zufolge haben Personalverantwortliche ein erweitertes Mandat, die Arbeit im Zeitalter von Mensch und Maschine zu gestalten. Dieses reicht über die Einführung neuer Technologien hinaus und umfasst klare Grenzen für deren Einsatz. Sie müssen festlegen, in welchen Bereichen menschliches Urteilsvermögen weiterhin maßgeblich bleibt. Auch Verantwortlichkeiten müssen eindeutig geregelt sein, wenn Entscheidungen die Karriere, Entwicklung und Chancen von Mitarbeitern betreffen.

Dokumentationen, Richtlinien und strukturierte Arbeitsabläufe machen nachvollziehbar, wie Ergebnisse zustande kommen, welche Informationen ihnen zugrunde liegen und wer dafür verantwortlich ist. Zudem stellen sie sicher, dass KI innerhalb festgelegter Unternehmensregeln arbeitet. Dadurch bleiben Entscheidungen nachvollziehbar und können überprüft oder hinterfragt werden.

In diesem Zusammenhang wird die Automatisierte Dokumentenerzeugung von aconso zu einem Bestandteil der Governance. Wenn KI-Agenten Arbeitsabläufe steuern und Informationen für einen Personalprozess zusammentragen, müssen Unternehmen dem Endergebnis vertrauen können. Es muss korrekt, rechtskonform und mit den Unternehmensrichtlinien vereinbar sein.

KI automatisiert die Dokumentenerstellung anhand einheitlicher Vorlagen, die den freigegebenen Formulierungen und Gestaltungsrichtlinien des Unternehmens entsprechen. Prüf- und E-Signatur-Schritte gewährleisten anschließend die menschliche Kontrolle. Jeder Schritt wird mit einem Zeitstempel dokumentiert, sodass ein nachvollziehbarer Prüfpfad entsteht. Dadurch können Teams effizienter arbeiten und zugleich Genauigkeit und Verantwortlichkeit wahren.

Den Einfluss von KI angemessen steuern

Mit KI werden nicht zwangsläufig jene Unternehmen erfolgreich sein, die am meisten automatisieren. Maßgeblich ist vielmehr ein klares Verständnis dafür, wo KI Personalprozesse prägt und welche Kontrollmechanismen zur Steuerung dieses Einflusses eingerichtet werden müssen.

Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob KI Teil der Belegschaft ist. Vielmehr müssen Unternehmen erkennen und kontrollieren, welche unsichtbare Arbeit sie bereits übernimmt.