HR Frontrunners Community Talk - Digitale Coworker in HR

Ein Rückblick auf unseren HR Frontrunners Community Talk im Juli 2026. Digitale Coworker – KI-Agenten, Automatisierungsplattformen und Roboter – gestalten zunehmend aktiv mit, wie Arbeit erledigt wird, bleiben aber in vielen Organisationen unsichtbar. Sie lernen iterativ und verbessern ihr Vorgehen kontinuierlich durch Feedback. Doch Vertrauen, Datensicherheit und Governance bremsen viele Unternehmen noch.

Die Studie "KI-Agenten als wichtige Partner – aber nicht als Chef"¹ von Workday bringt das Spannungsfeld auf den Punkt: 75 % der Mitarbeitenden arbeiten gern mit KI-Agenten, aber nur 30 % wären damit einverstanden, von ihnen gemanagt zu werden. Dementsprechend haben wir in unserem HR Frontrunners Community Talk drei Fragen gestellt: Wo stehen HR-Organisationen gerade? Wie werden digitale Coworker gesteuert? Und wer haftet, wenn etwas schiefgeht?

Aktueller Stand: Zwischen ersten Prompts und skalierten Agenten

Das Erste, das auffiel: Die Bandbreite der Nutzung von KI im Arbeitsalltag ist enorm. Praktisch alle Teilnehmenden aus unserer Community setzen KI ein, doch der Reifegrad reicht von vorsichtigen ersten Schritten bis zu tief integrierten Agenten. Manche Unternehmen haben ihren Mitarbeitenden KI-Werkzeuge zur Verfügung gestellt, begleitet von Schulungen und unternehmensinternen KI-Expert:innen, die das Thema vorantreiben. Andere Unternehmen agieren zurückhaltender: Selbst die gängigen Standard-Tools sind mancherorts wegen offener Fragen zu Zugriffsrechten und Dateiablagen sogar noch blockiert.

Während des Community Talks kam die Frage auf, welche KI-Agenten ganz konkret im HR-Bereich helfen. Bislang gehe es oftmals nur um Chatbots oder darum, sich Folien erstellen zu lassen. Dabei sei spürbar mehr möglich.

Genau hier setzte ein Impuls an: Gerade im Dokumentenmanagement stecke großes Potenzial. Viele HR-Tätigkeiten seien regel- oder logikbasiert, etwa das Erstellen von Dokumenten oder das Zusammentragen und Aufbereiten von Informationen aus umfangreichen Personalakten. KI-Agenten könnten genau diese aufwendige Fleißarbeit übernehmen und auf einen Klick die relevanten Informationen bereitstellen.

Governance & Compliance: Hohes Tempo, große Lücke

Je mehr digitale Coworker im Einsatz sind, desto drängender wird die Frage: Wer behält eigentlich den Überblick? Denn die Steuerung hinkt dem Tempo hinterher. Laut einer Studie von SAP und Oxford Economics² halten nur 11 % der Unternehmen ihre Governance-Fähigkeiten für vollständig ausreichend. Bei physischen Coworkern kommt eine zweite Lücke hinzu – Arbeitssicherheit und Haftung im gemeinsamen Arbeitsraum, wofür Normen teils noch fehlen.

Die Ansätze der Diskussion reichten von “strenger Steuerung” bis “offener Handhabung”. Einige Unternehmen bewerten neue KI-Use-Cases in einem eigenen Team nach dem EU AI Act in einem mehrstufigen Prüfprozess, der auch Datenschutz und den technischen Modellbetrieb einschließt. Andere hingegen setzen auf einen einzigen Grundsatz, die Maschine entscheidet nie allein. Ein Mensch trifft die finale Entscheidung, ergänzt durch einen Compliance-Fragebogen pro KI-Service. Der Grundton: große Offenheit für KI-Anwendungen und die Bereitschaft, auch ein Stück ins Risiko zu gehen.

Accountability: Die unbequeme Frage

Die wohl unbequemste Frage: Wer haftet, wenn ein digitaler Coworker einen Fehler macht? Der EU AI Act regelt das auf dem Papier klar: Anbieter haften für die Sicherheit ihrer Systeme, Unternehmen für den verantwortungsvollen Einsatz. Bußgelder betragen bis zu 35 Millionen Euro oder einem Prozentsatz des weltweiten Unternehmens-Jahresumsatzes.

Wir wollten wissen, wo die Verantwortung liegt, wenn in drei Jahren noch mehr Agenten und Roboter im Einsatz sind und hier gingen die Meinungen auseinander: Einige erwarten, dass sie sich langfristig bei HR zentriert, weil digitale Coworker im Kern eine Führungsaufgabe seien. Andere widersprechen genau dem, es brauche keine neue, zentrale Zuständigkeit, verantwortlich sei wie schon heute die jeweilige Führungskraft für ihren eigenen Bereich, mit oder ohne KI. Juristisch bleibt die Haftung ohnehin beim Arbeitgeber. Entscheidend ist daher weniger die Frage "HR oder Führungskraft", sondern eine klare, aber nicht zu granulare Betriebsvereinbarung.

Fazit des Talks

Über alle drei Themen hinweg zog sich eine gemeinsame Erkenntnis: Die Frage ist längst nicht mehr, ob wir digitale Coworker verantwortungsvoll einsetzen. Die Frage ist, ob wir als Organisation die Strukturen haben, um im Ernstfall auch wirklich Verantwortung zu übernehmen. Das ist keine reine IT-Frage, sondern eine Führungsfrage. Und niemand ist dafür besser geeignet als HR. Personalverantwortliche kennen die Menschen, die Prozesse und die Kultur. Sie können Transparenz schaffen, um KI als echten Enabler nutzbar zu machen.

 


 

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Werden Sie Teil der HR Frontrunners Community und diskutieren Sie beim nächsten Community Talk live mit!

 



¹ https://forms.workday.com/de-de/reports/ai-agents-are-here-but-dont-call-them-boss/form.html?step=step1_default 
² https://news.sap.com/germany/2026/07/sap-studie-ki-rechnet-sich-potenzial-deutsche-unternehmen/